Korrigendum
Leser Andreas hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass es es bei den Organismen aus Abbildung 11 nicht um Schädlinge handelt, sondern um Springschwänze. Des weitern vermutet er, dass die Schäden an der Pflanze sicherlich auf andere Probleme zurück zu führen seien. Womöglich profitierten die Springschwänze nur von der grösseren Menge verrottenden organischen Materials im Topf. Vielen Dank für die Berichtigung! (21.09.2009)
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Vor- und Nachteile gegenüber der Erdkultur
| + | selteneres Giessen (einmal wöchentlich bei kleinen Gefässen; alle 4 bis 6 Wochen bei grossen Gefässen) |
| + | einfachste Düngung bei Verwendung von Ionentauschern |
| + | hygienisch |
| + | bei minimalem Aufwand etwa gleich gute (manchmal bessere) Vegetation wie bei bester Pflege in Erdkultur |
| + | seltenes Umtopfen |
| − | empfindlich gegen zu niedrigen oder dauerhaft zu hohen Wasserstand (am besten zwischen "min" und "opt") |
| − | empfindlich gegen Schädlinge |
| ! | nicht für alle Pflanzen gleich gut geeignet |
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Das System
Bekanntlich leben Pflanzen von Wasser mit Nährstoffen, Luft (u.a. Kohlenstoffdioxid) und Licht.
Das Licht wird über die Blätter aufgenommen, Wasser und Nährstoffe durch die Wurzeln. Idealerweise sind die Wurzeln
in einem Substrat, das dauerhaft leicht feucht ist möglichst viel Luft durchlässt. Diese Aufgabe übernimmt bei der Hydrokultur
der Blähton, ein luftig-leichtes Tongranulat mit der Fähigkeit, viel Nährlösung aufzunehmen (siehe Abb. 1). |

Abb. 1: Blähton |

Abb. 2: Kulturtopf, Übertopf und Wasserstandsanzeiger |
Weitere Systemkomponenten sind neben dem Übertopf der
Kulturtopf, in dem sich die Pflanze im Blähton befindet und in den auch der Wasserstandsanzeiger gesteckt wird. Wenn
ein Stab zur mechanischen Stablilsierung der Pflanze benötigt wird, muss dieser aus lebensmittelechtem Kunststoff bestehen
- Bambus würde faulen und damit die Wurzeln schädigen. |
Was ist nun mit "Nährlösung" gemeint? Die Wurzeln müssen
neben Wasser auch wichtige Mineralien aufnehmen können. Diese sind bei Pflanzen in Erdkultur in der Erde enthalten und
werden dort im Laufe der Zeit aufgebraucht. Um der Pflanze fortlaufend ein gutes Nährstoffangebot bieten zu können,
wird von Zeit zu Zeit gedüngt. Bei der Hydrokultur ist das beigeben von Nährstoffen noch viel wichtiger, weil das Substrat ja
keine Nährstoffe enthält. Es soll dazu nicht 08/15-Dünger eingesetzt werden, sondern ausschliesslich Hydrokulturdünger und
dieser soll nach Produktbeschreibung angewandt werden. Wichtig ist auch, dass weiches (kalkarmes) Wasser verwendet
wird. |

Abb. 3: ungeeigneter Dünger |

Abb. 4: Ionentauscher |
Im Handel sind auch die praktischen Lanzeitdüngekapseln (Inhalt: Lewatit HD 50) erhältlich.
Dabei handelt es sich technisch um Ionentauscher: Sie binden die Kalkionen und geben dafür pflanzenwichtige Ionen ins Wasser
ab. In ihrer Urform wären sie also nur für hartes Wasser (stark kalkhaltig) geeignet. Neueren Fabrikaten ist aber Magnesiumkalk hinzugefügt
worden, damit sie für alle Wasserhärtegrade geeignet sind. Basel hat nach Angaben vom 31. Januar 2005 auf der
Website der IWB eine Wasserhärte von 10.2°dH
(entspricht 18.2°fH), was als mittelhart einzustufen ist. Die Ionentauscher sind offen als Granulat (Levatit HD 50), in
Säckchen gefüllt ("Teebeutel") oder in Kapseln erhältlich (siehe Abb. 4). Letztere passen in die Aussparung im Boden
von vielen Kulturtöpfen. |
Die Kosten
1. Beispiel: Umstellung eines etwa 14 cm hohen Weihnachtskaktus
| 1/2 Sack Blähton 4..8 mm: | 1.00 |
| 1 Kulturtopf 11/09: | 0.70 |
| 1 Wasserstandsanzeiger 9 cm: | 1.40 |
| 1 Ionentauscher: | 1.55 |
| 1 Übertopf: | 5.95 |
| TOTAL: | 10.60 |
2. Beispiel: Drei Dattelpalmen plus Beigemüse in einem Grossgefäss
| 2/3 Sack Blähton 8..16 mm: | 7.00 |
| 2 Säcke Weisser Kiesel: | 11.00 |
| 3 Trennwände: | 8.70 |
| 3 Kulturtöpfe 18/19: | 5.10 |
| 1 Wasserstandsanzeiger 21 cm: | 5.40 |
| 3 Ionentauscher: | 4.65 |
| 1 Grossgefäss Juri: | 58.00 |
| 4 Rollen: | 10.00 |
| TOTAL: | 109.85 |
Hier gibt's eine Tabelle mit allen meinen Pflanzen: hydrokosten.pdf |

Abb. 5: enterdete Pflanze |
Umstellung von Erd- auf Hydrokultur
Immer wieder liest man, dass nicht alle Pflanzen gleich gut für Hydrokultur geeignet sein sollen. Keine Ahnung, ob
das stimmt. Insofern ist es richtig, dass ich wirklich einmal Schädlingsprobleme mit einer Zitrusfruchtpflanze hatte und Zitrusbäume
für Hydrokultur ungeeignet sein sollen. Ohne Schädlinge gedieh sie aber ausgezeichnet. Dazu aber später mehr. |
Nachdem Kulturtopf, Übertopf, Blähton und Wasserstandsanzeiger bereitgestellt wurden, wird die umzustellende
Pflanze enttopft und gündlichst von der Erde befreit. Das geht recht gut im Spülbecken oder in der Badewanne mit der Duschbrause, wobei darauf
geachtet werden soll, dass das Wasser nicht absolut kalt ist. In hartnäckigen Fällen kann es auch ratsam sein, die Pflanze
über Nacht in einem Wassereimer einzulegen. Wenn die Wurzeln frei von Erde sind, sollten unbedingt noch die abgestorbenen Wurzelteile entfernt werden. Man erkennnt
diese normalerweise an der dunklen Farbe, der glitschigen Oberfläche und der matschigen Konsistenz. Allgemein ist es manchmal
ratsam, die Wurzeln etwas zu trimmen und damit das Wachstum neuer Wurzeln, die besser für das neue Medium geeignet sind,
zu fördern. |

Abb. 6: Spülen des Blähtons |

Abb. 7: Einfüllen des Blähtons |
Es wird nun erst etwas Blähton in den Kulturtopf gegeben. An dieser
Stelle soll gleich noch erwähnt werden, dass der Blähton zuerst in einem Sieb unter fliessendem Wasser gespült werden muss, weil
dieser durch den Transport viel Abrieb beinhaltet, der dann im Topf mit dem Wasser zu "Verschlammung" führen könnte. Danach
wird die Pflanze in den Topf gestellt und unter leichtem Rütteln der restliche Blähton dazugegeben. Der Kulturtopf sollte bis oben
gefüllt werden. Es ist übrigens grundverkehrt, den Ton mit den Händen anzudrücken oder dergleichen - das würde die Wurzeln
beschädigen. |
Als letztes wird noch der Wasserstandsanzeiger in das Loch im
Kulturtopf gesteckt, allenfalls der Ionentauscher-"Teebeutel" im Übertopf plaziert und der Kulturtopf in den Übertopf gesteckt.
Danach wird gründlich mit nicht ganz kaltem Wasser gegossen. Optimalerweise wird Wasser bis zur "opt"-Marke gegeben und
erst wieder nachgefüllt, nachdem der Wasserstand auf "min" gesunken ist. Während der etwas heiklen Zeit der Umstellung, ist
es zudem nicht falsch, wenn man die Pflanze zweimal täglich mit einem Zerstäuber befeuchtet. Es ist normal, dass die Pflanze
erst nach einer Überganzszeit von manchmal mehreren Wochen wieder gedeiht wie vorher. |

Abb. 8: Resultat |

Abb. 9: Noch in der Erde |
Vorher − Nachher
Ich habe ausserordentlich gute Erfahrungen mit Hydrokultur gemacht. In Abb. 8 ist eine Pflanze in Erdkultur
abgebildet, die während den sechs Monaten, die sie in meinem Besitz war, trotz eingehender Pflege kein einziges Blatt gebildet
hat. Die Blüten hat sie nach ein paar Wochen schon verloren und nicht wieder neu gebildet. Nachdem ich sie auf Hydrokultur
umgestellt hatte, fing sie nach einer Latenzzeit von einigen Wochen plötzlich an zu blühen und wachsen (Abb. 10). |
In den folgenden vier Monaten ist sie auf fast vierfache Grösse gewachsen
(Höhe: 5 cm -> 18 cm). Andere Pflanzengeschichten verliefen nicht ganz so spektakulär, eine einzige Pflanze - eine Dattelpalme - hat die
Umstellung sogar nicht überlebt. Diese war allerdings auch nicht besonders gesund vor dem Umstellen, woraus ich
schliesse, dass nur gesunde (und eher junge) Pflanzen auf Hydrokultur umgestellt werden sollen. |

Abb. 10: nach 6 Monaten in Hydrokultur |

Abb. 11: Schädlinge im Wasser |
Schädlingsbekämpfung
Ein etwas leidliches Thema ist die Geschichte mit der Schädlingsbekämpfung. Hier kann ich keine
allgemeingültigen Aussagen machen, sondern bloss auf einen einzelnen Fall verweisen, den ich kürzlich erleben musste.
Ein Zitrusbaum machte eines Tages keine neuen Blätter mehr und ein Blick in den Topf zeigte das ganze Ausmass der
Katastrophe: Es waren Unmengen kleiner (ca. 2..3 mm lange) Parasiten im Wasser, das Wasser roch seltsam faulig
und die wenigen sichtbaren Wurzelspitzen waren schwarz, also abgestorben. Allerdings muss noch bemerkt werden,
dass das Wasser von Zitrusbäumen immer etwas sonderbar riecht. |
Darauf hin habe ich die Pflanze aus dem Topf genommen
und mit den Wurzeln eine Nacht in einen Eimer gestellt, in dem sich "Paraderil" von Maag Agro (Wirkstoff 1% Rotenon)
befand. Dieses soll die Wurzeln von Parasiten und ihren Eiern befreien. Den Blähton sterilisierte ich,
indem ich ihn auf dem Herd etwa eine Viertelstunde lang im Wasser auskochte. Die Ionentauscherbatterie ersetzte
ich bei dieser Gelegenheit auch gleich, weil sich ja darin auch Parasiten verstecken könnten. |

Abb. 12: Sterilisierung des Blähtons |

Abb. 13: Das andere Wässerlein |
Das hat zwar wunderbar funktioniert, aber leider musste ich
ein paar Tage später feststellen, dass ich diese Parasiten auch in anderen Pflanzen habe. Ich habe aber keine Lust mehr
den ganzen Zirkus noch einmal zu machen, deshalb möchte ich mir ... kaufen (nicht in der Schweiz erhältlich), welches einfach
in die Nährlösung gegeben wird. |
HydroWakü - Ein (etwas) verrücktes Projekt
In compi.html habe ich beschrieben, wie leise ich meinen Computer
kühle. Schon länger spiele ich aber mit dem Gedanken, auf Wasserkühlung umzustellen. Letztlich muss immer an die
Umgebungsluft rückgekühlt werden, doch wie sieht der Wärmetauscher aus? Gleichzeitig würden meine Hydropflanzen
nicht unglücklich sein, wenn Ihre Nährlösung noch 3°C wärmer wäre. Was liegt also näher als die beiden zu
kombinieren? |

Abb. 14: HydroWakü |

Abb. 15: Die drei Varianten |
Folgende Lösungen sind denkbar: (Abb. 15; ins Bild klicken)
- Einkreislaufsystem, also Nährlösung fliesst durch den CPU-Kühler
- Zweikreislaufsystem mit einer forcierten Kühlflüssigkeitszirkulation im Computer
- Zweikreislaufsystem mit forcierter Zirkulation in beiden Kreisläufen
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Die Methoden 1 und 3 erlauben zusätzlich den
Einsatz eines Zimmerbrunnens in der Hydrokulturpflanze (was ich mir schon lange wünschte), allerdings benötigt Methode 3 zwei Pumpen und fällt damit
aus dem Rahmen.
Die Methode 1 muss den Kompromiss erfüllen, dass ein Fluid optimal für die Pflanze sein muss und
gleichzeitig ein optimales Kühlmedium für CPU-Kühlbox darstellen muss. Ein Kalium-Natrium-Eutektoid kommt
ebensowenig in Frage wie Alkohole oder Wasser mit Additiven gegen Korrosion und Algen. Für die Pflanze muss es
Wasser mit einer ausgewogenen Auswahl an verschieden Mineralien sein, womit die Flüssigkeit leitfähig ist und die
Kühler korrodieren und damit auch grössere Mengen an Kupfer, Nickel, Alu und Zink löst. Diese Ionen könnten aber wieder
für die Pflanze schädlich sein.
Es ist ausserdem fraglich, wie gut es ist, wenn Pflanze und Festplatte auf
dem gleichen elektrischen Potential wie die CPU-Oberfläche sind. Letzteres kann aber nicht so dramatisch sein, denn
üblich eingesetzte Fluids in Waküs sind auch elektrisch leitfähig. Dieses Dilemma ist der Grund, weshalb ich das
Projekt noch nicht verwirklicht habe. Ideal wären Kühler aus Alu, die innwändig eloxiert sind. Oder wenigstens alle
Kühler aus demselben Metall, das hoffentlich nur pflanzenunschädliche Ionen abgibt (reines Kupfer?). Eine bessere Idee?
Literatur:
[1] Schubert, Blaicher: "1x1 der Hydrokultur", BLV
[2] Wegler: "Zimmerbrunnen gestalten und bepflanzen", GU |