Radwechsel fällig

Ha, mein Triumph — ich lag wohl mit meiner Einschätzung zum Öl-Debakel gar nicht so falsch, wenn man dem kürzlich in der BaZ veröffentlichen Artikel “BP wird sehr wahr­scheinlich pleitegehen” mit Ölmarktspezialist Jeff Rubin Glauben schenkt. Auch wenn nun mal eine erste Hürde genommen wurde und temporär kein Öl ausfliesst, heisst das nur gerade, dass sich die Situation gerade nicht verschlechtert. Zudem scheint es mit dem neuen Verschluss gemäss Spiegel auch schon wieder Probleme zu geben. Da ich genau weiss, dass die Meinungen diesbezüglich auseinender gehen, gibt’s heute eine Neuheit auf LuGra.ch: Ein echter Blog inklusive Kommentarfunktion. Das passt auch zum Umweltschutz (ganz trendy!) — jetzt ist Recycling angesagt. Ich habe ja kürzlich demonstriert, wieviel ich schon geschrieben habe. Nun seid Ihr gefragt: Haut in die Tasten und kommentiert die Beiträge. Einzige Bedingung: Kein PPP (Persönliches, Privates oder Publikatives)! Im Gegensatz zu meinem Gästebuch gibt’s hingegen keinen Schimpfwortfilter. (Der wirkungsvollste aller Filter war der “Merkel-Filter”.)

Technisch entferne ich mich vom Grundsatz, das Rad neu zu erfinden, und setze das gratis erhältliche Wordpress ein. Nicht, dass ich davon begeistert wäre — es ist mehr sowas wie eine Hassliebe — aber der Aufwand, meiner textdateibasierte Blogsoftware Kommentarfunktionalität hinzuzufügen, wäre einfach zu gross gewesen. Nicht, dass ich nicht wenigstens darüber nachgedacht hätte und Papierservietten und Briefumschläge vollgekritzelt hätte, wie sich diese Funktion noch hätte reinmurksen lassen können… Aber genug der Modalverben. Wordpress bietet eine Unmenge an möglichen und unmöglichen Erweiterungen an, die teilweise gar kompatibel sind. So hat aber das Übersetzungsmodul nicht ganz 100% funktioniert. (Wer will schon kleinlich sein?) Es gibt dafür so geniale Module wie jenes für Facebook; man darf gespannt bleiben. Bisher habe ich die Blogeinträge von heute an Rückwärts bis Juni 2009 eingestellt — und es kommen wöchentlich weitere hinzu.

Aber wechseln wir zum eigentlichen Thema: Kürzlich musste ich bei meinen Inlineskates die Räder ersetzen. Diese waren nach 406 km komplett runter gefahren. Und mit “komplett” meine ich wirklich komplett: Am linken Schuh waren die zwei hinteren Räder bis auf den Kunststoffnabe abgenagt, was kein besonders gutes Fahrgefühl mehr gibt. Es holperte und schepperte, schliff und kniff, bis ich fast in hohem Bogen vom rohen Teer in die Büsch’ geflogen. Für gerade mal USD 10.99 konnte ich bei Amazon acht Räder (ohne Kugellager) erstehen. Der Austausch ging dann problemlos und es wäre langweilig, wenn ich weitere Worte darüber verlieren würde.

Die Frage des Tages ist wesentlich interessanter: “Wieviele Atome streift man beim Inlineskaten eigentlich auf die Strasse ab?” (Hinweis: Moleküle wären interessanter, doch das überlasse ich dem geneigten Leser.) Dazu brauchen wir etwas Statistik gemäss meinem Trainings-Logbuch. Ich fuhr also 406 km, dabei hat sich der Raddurchmesser von 78 mm auf 63 mm (!) verringert. Die Radiusdifferenz beträgt also 7.5 mm. Bei einem mittleren Radumfang von 221 mm hat es sich bei 406 km also 1′833′104 mal gedreht. Bei jeder Umdrehung wurden 4.09 nm auf die Strasse abgerollt — dies entspricht ganz grob 41 Atomschichten (100 pm “Atomdurchmesser”). Da vier Räder hintereinander kommen, liegen also pro Fuss jeweils 164 Atomlagen auf der Strasse. Gut zu wissen! Kein Wunder, sind die Räder so schnell abgeflitzt. Vielleicht sollte ich auf Rollbrett umstellen, insbesondere beim verlinkten Modell dürfte es wesentlich länger bis zum ersten Radwechsel dauern…!

Hat es denn was genützt, die Räder zu wechseln? Oh ja, und wie! Ich hätte mir gedacht, dass ich damit vielleicht 2..4% schneller unterwegs sein würde, doch weit gefehlt. Ich bin 29% schneller unterwegs. Für meinen Standard-Parcours durch den Tom Brown Park brauchte ich nur noch 49 min anstelle von zuletzt 69 min. Damit hat sich meine Durchschnittsgeschwindigkeit von 8.8 km/h auf 12.4 km/h erhöht (man muss bedenken, dass hier einige Steigungen und Treppenstufen dazwischen sind).

Was tut sich so in Sachen Raumfahrt? In Europa sind die sechs Neuen gerade vom lustigen Überlebenstraining zurück und diesseits des Atlantiks diskutiert der US-Senat einen weiteren Shuttle-Flug. Letztere schlagen gar noch viel weitreichendere und visionärere Änderungen am NASA-Kurs vor, doch ich bin nicht so sicher, wie realistisch diese sind. Senator Bill Nelson (in STS-61C zusammen mit Charly Bolden, dem heutigen NASA-Administrator, der einen ganz anderen Kurs einschlägt) ist ja nicht gerade für seine Zurückhaltung bekannt, wenn es um Kritik am neuen NASA-Kurs geht.

Und in Sachen Computer? Neben dem umstrittenen IEEE-Artikel zu Multicore-CPUs macht vor allem das iPhone von sich reden. “Ist das iPhone 4 Apples Vista?” fragt Kevin Turner. Aber genug davon. Auf eine interessante Flash-Applikation bin ich gestossen, als ich mich für den Besuch des neuen Harry-Potter-Themenparks vorbereitet habe: Augmented Reality Map. Unbedingt ausdrucken und vor die Webcam halten! Und der Park ist übrgens auch einen Besuch wert. Aber der Renner in Sachen Digitales ist doch eher die Musikbranche, die von sich reden macht. Obwohl sie gerade von Bieber degradiert wurde, sind die 247 Millionen Aufrufe von Lady Gagas “Bad Romance” sehr eindrücklich, wobei ich mich einfach nicht entscheiden kann, was cooler ist: wie Lady Gaga auszusehen (Michelle Phan) oder wie sie zu singen (Nataly Dawn from Pomplamoose Music). Ich empfehle übrigens sowohl bei Michelle [z.B. die Augen] als auch bei Nataly [z.B. die grenzgeniale Umsetzung von My Favorite Things -- wobei die Pomplamoose-Seife gerade ausgegangen ist] ein bisschen durch die Videos zu surfen!

PS: Leute, kuckt Euch “Inception” an — am besten im normalen IMAX, da leider nicht als 3D-Version gezeigt! Der Film ist echt eine Wucht und wohl der beste seit “Avatar”. Darauf kann ich nur Marvin zitieren: “Nicht dass sich jemand darum scheren würde, aber das Restaurant ist am andern Ende des Universums.”

 

2 responses


  1. Die Differenz der Räder entspricht mit 23% so ziemlich genau der Geschwindigkeit. Aber vielleicht fährt man mit neuen Rädern auch einfach schneller. Würde aber zumindest erklären warum vor 100 Jahren so Hochräder mit riesigen Rädern so beliebt waren.

    Ich kann es nachvollziehen: In unserem Ferienhaus habe ich ein 24″ Fahrrad, das reicht aus weil ich es nur 2 mal im Jahr für eine Woche brauche, und daheim nur 28″ – man tritt deutlich mehr und ist deutlich langsamer.

    Ich würde beim Design noch das Bild auswechseln (oder wegmachen) und ich finde das Gray Themse etwas schöner oder wenigstens das Technik-blaue, aber türkis…?

  2. Lukas (blog author) says:


    Dass die Radiusdifferenz mit der Geschwindigkeitsdifferenz korrelieren könnte, darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. In der Tat eine sehr interessante Erklärung!

    Stimmt, am Feintuning des Blog-Erscheinungsbildes sollte ich noch arbeiten…

Leave a Reply