LaTeX und MS Word

Ich bin also ein “Freefaller”, einer der auf dem Bauch einschläft. Damit steht mein Charakter fest: Ich bin dreist, kontaktfreudig und kritikscheu. Ich dachte immer, das steht für die Freude am freien Fall, der Schwerelosigkeit und dem Geschwindigkeitsrausch. So kann man sich täuschen…

Es kommen ja ständig Hiobsbotschaften vom Ölleck im Golf. Ich möchte die Sache nicht verharmlosen, doch trotzdem etwas den Wind aus den Segeln holen. Da heisst es also, dass täglich 800′000 Liter (200′000 Gal) Öl austreten. Eine Zahl mit dermassen vielen Nullen weckt Emotionen. Aber ist das wirklich so viel? Gemäss David Letterman (7.5.2010, 6:58) ist das nicht nur “leaking” oder “gushing” sondern gar “spewing”. Doch das sind nicht einmal zehn Liter pro Sekunde, also 0.00926 m3/s. Der Rheinfall hat bis zu 1250 m3/s. Oder ein besserer Vergleich: Die Space Shuttle Startrampe wird mit etwas mehr als dieser Menge Wasser während gerade mal 41 Sekunden geflutet. Oder vergleichen wir es mal so: Der Golf von Mexiko umfasst (von mir geschätzte) 2 bis 3 Mio km3 Wasser, d.h. also auf 2 bis 3 * 1015 m3 Wasser kommen pro Sekunde 10-2 m3 Öl. Das Bohrloch leckt bereits seit knapp einem Monat. Gemäss Wikipedia sind bald 100′000 Fass Öl (entsprechend 15′900 m3) ausgelaufen. Wer nachrechnet, merkt, dass die Zahlen nicht ganz zusammenpassen. Da kommt über die vielen Tage trotzdem ganz schön was zusammen. Das liegt nur noch eine Grössenordnung unter den grossen Oil Spills. Die grössten Öltanker werden mit bis zu 4 Mio Fass beladen. So, der Taschenrechner glüht, ich höre auf… Nach Wochen schlechter Nachrichten und Misserfolgen, heute endlich ein Teilerfolg: Ein Teil des Öls kann in einen Tanker abgepumpt werden, was die Leckrate deutlich reduziert. Trotzdem denke ich, dass man sich auf Ölförderung an Land konzentrieren sollte, wo die Risiken viel geringer sind. Zudem besteht ja eine Technik, wie auch schräg und horizontal gebohrt werden kann, was das Anstechen von submarinen Ölfeldern vom Trockenen aus erlauben sollte: Electric Drilling

Die Atlantis ist zu ihrem wohl letzten Flug aufgebrochen — ein Bilderbuchstart. Derweil vergnügen sich die sechs Neuen im ESA-Corps mit der Schwerelosigkeit. Anstatt zu den Sternen zu greifen, hat der Todesstern eine neue, äusserst praktische Aufgabe erhalten.

Thema soll heute aber LaTeX sein, ein Satzprogramm um Bücher und andere Schriftdokumente am Computer in sehr hochwertiger Form zu erstellen. Ich kann nicht behaupten, dass ich ein grosser Fan davon bin. Aber da ich auch kein grosser Fan von MS Word bin (die Version 2007 ist allerdings wesentlich besser als 2003), kann ich ganz frei von Emotionen an die Sache herangehen. Positiv sind: Es ist gratis, die Hardwareanforderungen sind gering, es ist portabel (betriebssystemunabhängig) und das Resultat wird praktisch perfekt. Mathematische Formeln sind ein Augenschmaus. Zudem wird man es wohl auch in hundert Jahren noch lesen können. Nachteilig sind: Es ist nicht WYSIWIG (what you see is what you get), d.h. man muss im Texteditor schreiben und es danach kompilieren. Die möglichen Bildformate sind stark eingeschränkt und teilweise speicherhungrig (EPS/PS). Es ist manchmal auch sonst etwas umständlich: Jedes Paket hat seine Versionsnummer — wehe, wenn Paket X in Version Y mit Paket Z in Version V nicht kompatibel ist. Dann geht das Geschrei los…

Ein weiterer Vorteil: Man wird sozusagen automatisch typografisch geschult: Wo braucht’s Ligaturen, stimmt das Kerning (Unterschneidung), gefällt mir der Satzspiegel? Blocksatz ist plötzlich nicht mehr nur ein Knopf in Word. Soll das Dokument für Bildschirm oder Ausdruck optimiert werden? Aha, verschiedene Schriftsätze haben verschiedene Optimierungsfunktionen (Einsparung von Druckertinte? Lesbarkeit am CRT? Oder doch LCD?). Und dann möchte ich natürlich einen optischen Randausgleich, wenn es mit “microtype” schon so leicht geht. Damit werden Kapitälchen erst noch leicht gesperrt.

Der Hauptvorteil ist meines Erachtens die komplette Entkopplung von Inhalt und Format. So kann ich zum Schluss in der Präambel noch schnell auf A5 umstellen — so geschehen in meiner Diss. Da die Bildgrösse relativ definiert ist, reicht wirklich das blosse Ersetzen von “a4paper” durch “a5paper”, um aus einem A4-Buch ein A5-Buch zu machen; notabene beide mit perfektem Satzspiegel. OK, ein paar “Overfull H-Boxes” treten auf und müssen von Hand korrigiert werden. Aber eben trotzdem kein Vergleich zu Word. Mein Wunsch an Word: Komplette Entkopplung der Formatvorlagen vom Inhalt. Wie wär das?!

Wer noch mehr zum Thema “LaTeX vs. Word” wissen möchte, der darf mal hier vorbeischauen:

  • Eine knappe Übersichttabelle gibt’s im Wiki des Open WetWares. Sozusagen die Manager-Version eines LaTeX-Vergleichs.
  • Dario Taraborelli lässt sich über die Schönheit von LaTeX aus, was wirklich lesenswert ist. Er beschreibt auch schön das falsche Kerning und den Beschiss mit den Kapitälchen in Word.
  • Und die meines Erachtes allerbeste Webseite zum Thema gibt’s von Matthias Mühlich. Er hat einen 1:1-Vergleich angestellt, über den der Laie staunt und sich der Fachmann wundert.

…und zudem zum Thema passend gibt’s heute was ganz Besonderes: Einen LaTeX-Parser. Klickt mal drauf und Ihr werdet staunen! Wer’s lieber kompiliert mag, kann sich auch das PDF anschauen. Das ist nämlich ein weiterer Vorteil von LaTeX: Man kann es problemlos selber einlesen oder auch erzeugen erzeugen, was lustige Parser-Spielereien ermöglicht. Letztlich handelt es sich um eine leichte Modifikation des HTML-Parsers, den ich für meinen Blog vor Jahren entworfen habe.

…schon verrückt: Mein Blog ist länger als meine Diss :-) Na ja, Geschwätz lässt sich durch nichts ersetzen.

Not that anyone cares, but the restaurant is at the OTHER end of the universe. Und wer’s nicht mehr bis dorthin schafft, der kann ja am hammermässigen Speeddating des AMIV teilnehmen.

 

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