Liebe Amerikaner, Energiesparen ist einfach — Teil 2

Letzte Woche sagte Ken Jennings mit andächtiger Stimme: “I think we saw something important today.” Damit meinte er nicht den tadellosen Start von Ariane mit dem zweiten ATV (und dem notabene 42. geglückten Flug in Folge). Das ist zwar ebenfalls nett, aber in keiner Weise vergleichbar mit der Revolution, die sich gerade in der künstlichen Intelligenz anbahnt. Nein, ich spreche von Watson, IBMs Supercomputer welcher Jeopardy! gegen Ken Jennings und Brad Rutter gewann. Leute, die Menschheit hat Computergeschichte geschreiben! Oder soll ich eher sagen, die Computergeschichte hat die Menschheit neu definiert? Ein Computer, welcher Sprache versteht. Ich meine, man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Er versteht Menschen. Er unterscheidet zwischen Humor und echter Frage. Er löst Rätsel. Das ist praktisch wie “Data” von “Raumschiff Enterprise”. Wann tritt er bei David Letterman auf? Die nächste Hürde wäre dann Poker, doch das konnte nicht mal Data. Weitere Details von Miles O’Brien oder direkt bei IBM.

Wie wohl die digitale Zukunft aussehen wird? Ich denke, dass Rollenspiele immer universaler werden könnten. Bisher sind die Handlungen in solchen Spielen meist ziemlich entkoppelt vom wirklichen Leben, obwohl sich immerhin schon Geld in beide Richtungen überweisen lassen — Gold in WoW gibt’s für echte US-Dollar. Da liegt es doch eigentlich auf der Hand, dass Online-Händler bald auch ein Angebot in der Scheinwelt auf die Beine stellen. Wieso nicht einen Amazon-Buchladen im Händlerdistrikt von Sturmwind hinpflanzen? Das Buch würde dann ganz normal per Post oder elektronisch (Kindle) geliefert, der Preis ganz normal der Kreditkarte belastet. Auch einen Universitätsstudiengang könnte in Zukunft angeboten werden. Selbstverständlich könnte auch arbeiten in der Scheinwelt möglich werden, jedenfalls für einige Berufe im Dienstleistungs- und Informationssektor. Das ganze könnte dann noch mit den modernen Kommunikationsmitteln (Facebook, Twitter…) und Newsportalen verknüpft werden. Nur des Amerikaners liebstes Hobby, der Ölwechsel, lässt sich schwer realisieren. (Hier wechselt man das Öl spätestens alle 4800 km, kostet bloss 20 Dollar und ist in 10 Minuten erledigt. Wer weiss, was für eine Flüssigkeit die in den Motorblock kippen…)

Aber lassen wir dieses Thema. Eigentlich wollte ich ja den zweiten Teil von “Liebe Amerikaner, Energiesparen ist einfach” bringen. Dazu das Diagramm, welches meinen elektrischen “Energieverbrauch” über die letzten sieben Jahre zeigt. Die ersten sechs sind in Basel, das letzte in Tallahassee. In Basel war dieser praktisch konstant um 100 kWh pro Monat, wenn auch tendentiell leicht ansteigend (ca. 120 kWh in 2009). Doch dann ändert sich alles. In Tallahassee sind zwei Maxima und zwei Minima auszumachen: Das Wintermaximum beträgt 540 kWh, das Sommermaximum 819 kWh pro Monat; dazwischen sinkt der Verbrauch auf beinahe vernünftige 200 kWh ab.

Was ist also die Erklärung für die krassen Fluktuationen? Zuerst mal zum Grundpegel: Läuft weder Klimaanlage noch Heizung, beträgt mein Schluck aus der Steckdose ungefähr dem Doppelten meines Baselschnitts. Meine Geräte sind die gleichen, daran kann’s nicht liegen. Eher vermute ich den Grund im Wassererhitzer, ein elektrischer Durchlauferhitzer. Zudem koche ich hier elektrisch und nicht mit Erdgas. Der gigantische Kühlschrank und der Geschirrspüler, beide von billigster Bauart, werden wohl auch nicht zu den Sparwundern zählen (wobei hier keine Energieetikette und -Deklarationsvorschrift besteht).

Im Winter kann’s hier ganz schön kalt werden. Nachts sind da -10°C keine Seltenheit (da meist wolkenlos). Bei der grausam schlechten Isolation, gehen da auch locker mal zusätzliche 300 kWh pro Monat drauf, also 10 kWh pro Tag oder permanent 417 W. Im Sommer ist’s noch schlechter um die Elektronen bestellt: Da kommen dann mal zusätzliche 600 kWh hinzu. Wobei ich bereits höchst bescheidene Anforderungen stelle: Im Winter nicht unter 16°C, im Sommer nicht über 30°C. Würde ich durchschnittsamerikanisch heizen und kühlen, wäre wohl nochmals das Doppelte drin. Da die Energiepreise nicht wirklich niedriger als in Basel sind, geht da auch ganz schön viel Geld drauf.

Und das Fazit: Energiesparen wäre hier sehr einfach; hier das Drei-Punkte-Programm. Erstens Häuser richtig isolieren. Zweitens heizen und kochen mit Primärenergieträgern. Drittens öV. Letzteres dann vielleicht in einem nächsten Blog.

 

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