Transistoren anstatt Magnetplatten

Kürzlich habe ich meinem ehrwürdigen IBM ThinkPad X40 eine SSD spendiert (siehe mein Video of Youtube). Mann, hat es sich darüber gefreut. Und den Benutzer erst recht, da dieser nun nicht mehr so viel Geduld braucht.

Es handelt sich dabei um ein Produkt von KingSpec, einem hier nicht gerade bekannten chinesischen Hersteller. Über eBay bin ich auf das Produkt aufmerksam geworden, weil speziell die Kompatibilität mit dem X40 angepriesen wird. Im X40 werkelt nämlich ein Laufwerk der 1.8″-Grösse. Um die Sache noch exotischer zu machen, weist es eine PATA-Schnittstelle auf — ähnlich wie eine CF-Speicherkarte, doch mit 44 Pins (ATA7-Norm). Leider sind nur wenige Produkte dafür erhältlich. Auch Tests sind nicht auszumachen, so dass es ein bisschen riskant erscheint. Trotzdem habe ich es gewagt und bin eigentlich ganz zufrieden damit. Die Lesegeschwindigkeit hat sich von 15 MB/s auf 80 MB/s verfünffacht, die Schreibgeschwindigkeit auf 50 MB/s immerhin verdreifacht. Zusammen mit der kürzeren Zugriffszeit resultiert eine Windows-XP-Bootzeit von 41 s statt ehemals 109 s. Zudem ist es leichter und sparsamer. Insgesamt fühlt sich Windows damit wesentlich flinker an. Anwendungen starten schneller, Dateien sind sofort verfügbar. Auch die automatische Abschaltung der Festplatte bei Vibrationen konnte ich ausschalten, weil Flash-Speicher damit keine Probleme haben sollte.

Doch nun kommt’s dick — Der Hersteller verspricht folgendes: “One of the best performance SSD in the world, fast write speed and read speed, free noise, perfect stability and durability and compatibility.” 80 MB/s sollen zu den bestmöglichen SSDs gehören? Das ist ziemlich dick aufgetragen. Selbst wenn wir berücksichtigen, dass dieses Produkt bereits zwei Jahre alt ist… Ein Problem ist natürlich die völlig veraltete Schnittstelle, wofür der Hersteller auch nichts kann. Verglichen mit der neuesten Generation von SSDs, z.B. der OCZ Vertex 3, welche spielend 500 MB/s erreicht, verdurstet man am langen Arm mit der PATA-Krücke. Theoretisch sind laut ATA7-Spezifikationen eigentlich 133 MB/s möglich. Ich könnte mir aber trotzdem vorstellen, dass das Problem irgendwo im Controller liegt, denn schliesslich hat 2003 noch niemand mit solch schnellen Laufwerken gerechnet. Da fällt mir ein, dass ich vielleicht mal im BIOS nachschauen sollte, ob der Ultra-DMA-Modus auch wirklich freigeschaltet ist…

In meinen grossen Computer habe ich noch immer keine SSD eingebaut. Eigentlich würde mich das Vertex 3 von OCZ schon reizen, wenn es bloss nicht so teuer wäre (ca. USD 300). Zudem besteht das Risiko, dass ich es gar nicht als Bootlaufwerk konfigurieren kann: Der USB-Controller auf meinem Mainboard ist defekt, daher nutze ich eine PCI-X-Erweiterungskarte mit USB-Schnittstellen. Diese stehen aber erst nach dem Laden des BIOS zur Verfügung, was zur Folge hat, dass ich während der ersten paar Sekunden des Bootvorganges keine Tastatur habe. Ergo kann ich das BIOS nicht mehr ansprechen und die Bootreihenfolge nicht verändern. So ein Mist… Und X58-Mainboards sind sehr teuer. Immerhin bin ich ja sowieso ein heimlicher Fan traditioneller Festplatten — wer meine Phaszination teilen möchte, schaut soch doch mal an, wie Festplattenköpfe hergestellt werden.

Noch ein kurzes Update zu meinem Raketentriebwerk: Ich weiss nun, weshalb die Leistung bei den ersten drei Lachgasversuchen so bescheiden war. Meine Lachgasflasche hat kein Steigrohr (Siphon Tube)! Es handelt sich um die einzige Flasche von NOS, die standardmässig ohne Steigrohr geliefert wird. Und nirgends wurde das vermerkt! Die Lösung ist simpel: Flasche kopfüber. Nun verstehe ich auch, weshalb das Etikett “verkehrt herum” draufklebt :-) Nun funktioniert das Triebwerk bereits recht gut: Fünf Sekunden bei über 80 N, also 400 Ns bei 300 g Treibstoff. Phamous werde ich dafür wohl nicht, meckern kann man immer: Die Wandstärke des PE-Blocks war zu gering, die Federn am Versuchsstand etwas zu schwach und das Manometer viel zu schwach. Und wenn’s gar nichts wird, erfinde ich halt Kochen mit flüssigem Lachgas, analog zu Kochen mit flüssigem Stickstoff.

Thor ist übrigens mal wieder ein richtig sehenswerter Film, insbesondere in IMAX 3D. Allerdings: Buch mitnehmen. Der Abspann ist sehr lang und danach kommt noch was.

 

Leave a Reply