Marshmallows für Dummies

Nein, ich äussere mich nicht zur Minarett-Initiative. Auch wenn das vielleicht in der New York Times medienwirksam aufgegriffen wurde [1] [2] [3] [4], so ist es hier trotzdem nicht wirklich Thema. Die Wahrnehmung der Schweiz entspricht hier dem Schlaraffenland-Bild. Ich wurde schon gefragt, woher ich komme, um danach zu erwidern: “Wieso bist Du hierher gekommen, in Deiner Heimat ist es doch viel schöner.” Stattdessen möchte ich mal wieder ein Rezept in diesem Blog vorstellen.

Was mag der Amerikaner besonders gerne? Richtig, Marshmallows. Ob grilliert, im Kakao oder gar im Salat, diese Schaumgummi-Zuckerspeise ist bei Klein und Gross beliebt. Kann man sowas selber machen? Ja freilich, doch der Aufwand ist normalerweise relativ hoch. Daher habe ich ein eigenes Rezept ausgetüftelt, welches an Einfachheit gar nicht mehr übertroffen werden kann: Hier ist es, exklusiv, das Zweikomponenten-Marshmallow-Rezept.

Die beiden Edukte: Eine Hand voll Gummibären (alternativ Goggifröschli) und eine grosszügige Menge Backpulver (für den Möchtegernchemiker: Natriumhydrogencarbonat NaHCO3, mit Säuerungsmittel Dinatriumdihydrogendiphosphat Na2H2P2O7). Und etwas Wasser (braucht nicht destilliert zu sein) sowie Puderzucker.

Gummibären in einem grossen Topf (ich musste notfallmässig umschütten, weil die Pfanne zu klein wurde) zusammen mit etwas Wasser aufkochen. So lange eindampfen lassen, bis sich ein hochviskoses, homogenes Fluid ergibt. Backpulver rasch zugeben und rühren. Augenblicklich vergrössert sich das Volumen auf das Zehnfache. Topf vom Feuer nehmen und mit Suppenlöffel kleine Häufchen auf einem Backblech machen und kaltstellen (Kühlschrank). Backtrennfolie ist kein überflüssiger Luxus!

Das Postprozessing: Die Häufchen sind noch nicht in Endform und zudem klebrig. In Puderzucker gerollt sehen sie dann fast wie gekaufte Marshmallows aus. Bon Appétit! (Hier ein bebilderter Bericht.)

Und wenn wir gleich beim Kochen sind, gleich eine technische Frage an physikalische Köche oder Gourmet-Physiker: Sämtliche Haushaltgeräte kann ich hier in den USA mit 60 Hz betreiben, mit einer einzigen Ausnahme, die Mikrowelle. Dabei ist die Primärfunktion kein Problem. Die Heizung für die Kathode des Magnetrons schert sich nicht um die Netzfrequenz und die Anodenspannung wird ja erst gleichgerichtet. Eigentlich wird die Kathode negativ bespannt und die Anode liegt auf Erdpotential, aber das soll hier unter den Tisch gewischt werden. Auch die Lampe und der Drehteller funktionieren. Möglicherweise läuft die Zeitschaltung etwas zu schnell, aber das ist kein wirkliches Problem. Nein, was nicht läuft, ist der Lüfter. Anstatt mit konstanter Drehzahl seine Arbeit zu verrichten, ist eine Modulation von ca. 0.1 Hz überlagert, d.h. das Geräusch schwillt an und ab. Die Belüftungswirkung ist damit stark reduziert. Und diese ist ziemlich wichtig, da der Wirkungsgrad des Magnetrons nicht so besonders hoch ist.

Aufgrund der Beschränkung auf eine Phase, kommen nur wenige Motortypen in Frage. Die Erzeugung eines Drehfeldes über Leistungselektronik kann man aus Kostengründen ausschliessen. Auch der Einsatz eines DC-Motors mit vorgeschaltetem Gleichrichter ist unwahrscheinlich. Es bleiben Spaltpolmotor und Kondensatormotor (Käfigläufer-Asynchronmotor mit Phasenschieberkondensator). Beim Spaltpolmotor erwarte ich einen veränderten Schlupf und allenfalls auch eine abweichende Drehzahl, aber laufen müsste er schon. Beim Kondensatormotor könnte ich mir noch am ehesten das oben beschriebene Verhalten vorstellen. Vielleicht sollte ich den Wert der Kapazität um 17% reduzieren? Hat jemand Erfahrung mit der Umrüstung von Mikrowellenöfen auf 60 Hz?

 

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